Warum gehen wir in die Berge
Über Erwartungen, Gipfel, Ruhe und das, was wir unterwegs über uns selbst entdecken
Die naheliegende Antwort wäre vielleicht: um oben anzukommen. Schließlich planen wir eine Wanderung meistens anhand eines Ziels, schauen auf einen Gipfel, eine Route, Kilometer und Höhenmeter und wissen ungefähr, wo wir am Ende stehen möchten.
Für mich erklärt das trotzdem nur einen sehr kleinen Teil davon.
Ich frage mich: Warum gehen wir in die Berge?
Dann genieße ich es, dort unterwegs zu sein.
Ich gehe nicht los, weil ich unbedingt auf einem bestimmten Gipfel stehen muss.
Warum gehen wir in die Berge?
Ich gehe auch nicht ausschließlich wegen der Ruhe oder um dem Alltag zu entkommen.
Für mich wäre jede dieser Erklärungen allein genommen zu wenig.
Was mich immer wieder hinauszieht, ist die Kombination aus Bewegung, Natur, Beobachtung.
Und dieses Gefühl, mitten in etwas zu sein, das sich ständig verändert und trotzdem nichts von mir verlangt.
Draußen kann ich Bewegung unglaublich vielseitig erleben und gleichzeitig über das ganze Jahr beobachten, wie sich die Natur verändert. Ein Weg, den ich schon kenne, kann einige Monate später vollkommen anders aussehen. Farben verändern sich, Pflanzen verschwinden und kommen zurück, Licht fällt anders durch den Wald, Wasserstände ändern sich, Schnee macht aus bekannten Landschaften plötzlich neue und selbst innerhalb weniger Minuten können Wolken und Sonne ein Bild komplett verändern.
Ich schaue mir solche Dinge unglaublich gerne an.
Für meine Augen gibt es kaum einen größeren Genuss als die Formen und Farben einer Landschaft. Vielleicht lässt es sich tatsächlich ein wenig damit vergleichen, Kunst anzuschauen. Nur stehe ich nicht davor, sondern bin mittendrin, bewege mich durch sie hindurch und das Bild verändert sich ständig weiter.
Dabei passiert etwas, das ich im Alltag gar nicht bewusst erzwingen möchte: Meine Aufmerksamkeit landet sehr selbstverständlich dort, wo ich gerade bin.
Vielleicht ist das für mich einer der wichtigsten Gründe, warum ich Berge so gerne mag.

Ein Ziel zu haben ist nicht dasselbe wie eine Erwartung zu haben
Natürlich plane ich meine Touren. Gerade in den Bergen gehört für mich eine vernünftige Vorbereitung dazu. Ich möchte wissen, welchen Weg ich vor mir habe, wie die Bedingungen aussehen könnten und was ich dafür brauche.
Trotzdem versuche ich, zwischen Planung und Erwartung zu unterscheiden.
Wir Menschen können in unseren Köpfen schließlich unglaublich schöne Vorstellungen produzieren. Wir können uns schon Tage vorher vorstellen, wie wir zum Sonnenaufgang oben stehen, wie das Licht aussehen wird, welche Aussicht uns erwartet und manchmal wahrscheinlich sogar, wie wir uns dabei fühlen werden.
Nur hat die Natur an dieser Vorstellung nicht mitgearbeitet.
Je genauer ich vorher festlege, wie etwas sein sollte, desto mehr Möglichkeiten entstehen auch, enttäuscht zu werden, wenn es anders kommt. Und gerade Zeit in der Natur lässt sich nur bis zu einem gewissen Punkt planen.
Ich kann die Wettervorhersage anschauen, Wolkenmodelle vergleichen, eine passende Startzeit wählen und meine Route vorbereiten. Trotzdem kann am Morgen Nebel dort hängen, wo ich freie Sicht erwartet hatte. Der Wind kann stärker sein als angekündigt, eine Wolkendecke kann genau im falschen Moment aufziehen oder die Sonne erscheint einfach nicht so spektakulär, wie ich es mir vielleicht vorgestellt habe.
Das macht die Tour aber nicht automatisch schlechter.
Für mich beginnt genau dort ein sehr interessanter Unterschied: Ich kann vieles planen, ohne zu erwarten, dass die Natur meinen Plan anschließend erfüllt.
Das bedeutet nicht, unvorbereitet oder gleichgültig loszugehen. Im Gegenteil. Gerade weil man in den Bergen nie alles kontrollieren kann, finde ich es wichtig, für das Verantwortung zu übernehmen, was sich tatsächlich beeinflussen lässt. Nur eine hundertprozentige Garantie bekomme ich trotzdem nicht.
Es sind Berge und es ist Natur. Genau deshalb möchte ich ihr auch die Möglichkeit lassen, anders zu sein, als ich sie mir vorher vorgestellt habe.
Vielleicht lohnt es sich deshalb schon vor einer Wanderung, sich selbst eine einfache Frage zu stellen: Plane ich gerade meine Tour oder plane ich bereits, wie diese Tour werden muss, damit ich zufrieden bin?
Für mich sind das zwei vollkommen unterschiedliche Dinge.
Der Gipfel kann das Ziel sein, ohne über den Wert der Tour zu entscheiden
Ich freue mich natürlich, wenn ich einen Gipfel erreiche. Oben zu stehen ist schön, manchmal sogar unglaublich schön, und ich möchte das überhaupt nicht kleinreden.
Nur brauche ich diesen Punkt nicht, damit sich eine Tour vollständig anfühlt.
Besonders deutlich habe ich das bei Sonnenaufgangs und Sonnen-Untergang Touren gemerkt. Wenn ich früh im Dunkeln losgehe, beginnt das Erlebnis nicht erst oben. Oft passiert schon vorher so viel, dass der Gipfel irgendwann nur noch ein Teil des Ganzen ist.
Die ersten Veränderungen am Himmel, die Ruhe am Morgen, das Licht zwischen den Bäumen, eine Landschaft, die langsam Konturen bekommt, vielleicht Nebel im Tal oder einfach dieser Moment, in dem man merkt, dass um einen herum gerade ein neuer Tag beginnt.
Manchmal liegt der schönste Moment der gesamten Tour irgendwo auf halber Strecke.
Vielleicht sogar an einer Stelle, die keinen Namen hat und an der ich bei einer anderen Wanderung einfach vorbeigegangen wäre.
Genau deshalb möchte ich möglichst offen unterwegs sein. Ich weiß beim Losgehen noch nicht, was später die Erinnerung sein wird, die von dieser Tour bleibt.
Das kann der Gipfel sein. Muss es aber nicht.
Ich habe Sonnenaufgänge erlebt, die spektakulär waren, und andere, bei denen fotografisch betrachtet kaum etwas passiert ist. Trotzdem kann ich mich nicht an eine einzige Sonnenaufgangszeit erinnern, bei der ich anschließend dachte, dass sich das frühe Aufstehen nicht gelohnt hätte.
Dabei spielt für mich nicht einmal eine große Rolle, ob ich irgendwo in den Alpen oder im Bayerischen Wald unterwegs bin. Die Landschaften sind unterschiedlich, aber dieses besondere Gefühl des frühen Unterwegsseins kenne ich von beiden.
Vielleicht ist genau das eine schöne Übung für die nächste Wanderung: nicht krampfhaft nach einem besonderen Moment zu suchen, sondern erst hinterher zu überlegen, welcher Moment eigentlich geblieben ist.
Die Antwort könnte überraschen.

Man entdeckt unterwegs nicht nur Landschaft
Wenn ich darüber nachdenke, was mir von meinen Wanderungen langfristig bleibt, sind es erstaunlich oft Erkenntnisse und neue Perspektiven.
Nach fast jeder Tour gibt es irgendwelche Gedanken, die vorher nicht da waren oder zumindest nicht auf dieselbe Weise sichtbar waren. Manches öffnet sich erst unterwegs.
Deshalb empfinde ich Wandern als eine Entdeckungsreise in zwei Richtungen.
Natürlich entdecke ich die Welt außerhalb von mir. Neue Wege, Landschaften, Pflanzen, Wetter, Licht und all die kleinen Veränderungen, die man nur bemerkt, wenn man wirklich hinschaut.
Gleichzeitig entdecke ich aber auch immer wieder etwas an mir selbst.
Und dort kenne ich eigentlich keine Grenze.
Ich glaube nicht, dass ein Mensch irgendwann vollständig herausgefunden hat, wer er ist, was in ihm steckt und wie er in jeder Situation reagieren wird. Manche Seiten von uns brauchen vielleicht überhaupt erst eine bestimmte Situation, damit wir sie kennenlernen können.
Das können angenehme Erfahrungen sein, aber genauso Unsicherheit, körperliche Anstrengung oder Angst.
Gerade Angst finde ich dabei interessant. Wir betrachten sie schnell als etwas, das uns begrenzt. Aber wenn Angst bereits in einem Menschen vorhanden ist, kann dahinter gleichzeitig ein Potenzial liegen, das ebenfalls längst vorhanden war und nur noch nicht sichtbar geworden ist.
Vielleicht lernen wir in solchen Momenten tatsächlich etwas Neues. Vielleicht erkennen wir manchmal aber auch nur etwas, das längst in uns war.
Wahrscheinlich ist es beides.
Für mich steckt darin eine Form von Weisheit, ohne dass ich daraus etwas Mystisches machen möchte. Es sind viele kleine Erfahrungen und Erkenntnisse, die sich mit der Zeit zusammensetzen und die eigene Perspektive verändern können.
Die Berge geben mir dabei keine fertigen Antworten. Das erwarte ich auch gar nicht von ihnen.
Sie schaffen nur sehr viele Gelegenheiten, etwas zu entdecken.
Körpergefühl lässt sich nicht vollständig in Zahlen übersetzen
Auch körperlich lerne ich mich unterwegs immer wieder neu kennen.
Ich mag Leistung. Ich mag dieses Gefühl, wenn ich plötzlich merke, dass mein Körper etwas leichter kann als noch vor einiger Zeit. Wenn ein Anstieg gut läuft, die Schritte leicht werden und ich unmittelbar spüre, dass Ausdauer und Kraft gewachsen sind.
Dafür brauche ich persönlich keine Tempo.
Das heißt nicht, dass Zahlen schlecht wären oder dass andere Menschen ihre Leistung nicht messen sollten. Für mich ist nur die Rückmeldung meines Körpers interessanter.
Wie fühlt sich die Bewegung heute an? Wie leicht gehe ich? Wie verändert sich mein Schritt? Wie reagiert mein Körper auf die Länge der Tour, auf Höhenmeter, Temperatur oder einen bestimmten Untergrund?
Dieses Körpergefühl entsteht meiner Meinung nach auch nicht ausschließlich beim Sport. Es wächst aus einer Menge kleiner und großer Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen. Jeder Mensch hat regelmäßig Situationen, in denen er wahrnehmen und entscheiden muss, was gerade richtig ist.
In den Bergen wird diese Kommunikation mit dem eigenen Körper für mich einfach sehr deutlich.
Deshalb bedeutet Fortschritt für mich nicht automatisch, dass jede nächste Tour länger, schneller oder schwieriger sein muss. Mir ist eine stetige, aber anpassbare Entwicklung wichtiger. An manchen Tagen darf der Körper mehr leisten und an anderen weniger.
Wenn ich spüre, dass ich heute leicht gehe, freue ich mich darüber. Wenn mein Körper etwas anderes sagt, ist auch das eine Information.
Vielleicht lohnt es sich deshalb manchmal, während einer Wanderung nicht zuerst auf die Uhr zu schauen, sondern sich zu fragen: Wie fühlt sich mein Körper gerade tatsächlich an, bevor mir eine Zahl sagt, wie er sich angeblich fühlen sollte?

Ruhe ist für mich kein Ort
Ich mag ruhige Wege und bin gerne dort unterwegs, wo nicht besonders viele Menschen sind. Trotzdem glaube ich nicht, dass Ruhe etwas ist, das man ausschließlich über einen einsamen Ort finden kann.
Man kann am ruhigsten Ort der Welt sitzen und innerlich vollkommen unruhig sein.
Genauso kann jemand mitten im größten Lärm erstaunlich ruhig und entspannt sein.
Deshalb kommt Ruhe für mich zuerst aus dem Menschen selbst.
Die Berge erinnern mich sehr schnell daran, aber sie erzeugen diese Ruhe nicht automatisch für mich.
Dieser Gedanke verändert auch meinen Umgang mit stark besuchten Orten. Natürlich kann es angenehmer sein, einen Weg fast für sich alleine zu haben. Wenn ich genau das möchte, liegt aber auch ein Teil der Verantwortung bei mir.
Bei vielen bekannten Bergen weiß man ziemlich gut, wann viel los sein wird. Ein leicht erreichbarer Gipfel, eine Gondel, eine beliebte Hütte und ein sonniger Samstag werden wahrscheinlich nicht die besten Voraussetzungen für Einsamkeit sein.
Wenn ich trotzdem genau dann hingehe, kann ich mich anschließend schwer darüber wundern, dass andere Menschen dieselbe Idee hatten.
Für mich wäre das ungefähr so, als würde ich auf das Oktoberfest gehen und mich über volle Zelte ärgern.
Wir wohnen alle auf derselben Erde. Deshalb finde ich die Frage, wer an einem schönen Ort sein darf und wer nicht, ohnehin schwierig.
Wenn ich Ruhe möchte, kann ich versuchen, Randzeiten zu nutzen, früher loszugehen, weniger bekannte Wege zu suchen oder einen anderen Ort auszuwählen. Und wenn es trotzdem anders kommt als geplant, kann ich immer noch entscheiden, wie sehr ich mich davon beeinflussen lasse.
Vielleicht ist auch das eine interessante Beobachtung: Brauche ich gerade tatsächlich einen ruhigeren Ort oder wünsche ich mir, dass der Ort die Ruhe für mich übernimmt?
Denn das ist nicht dasselbe.
Nicht alles kontrollieren zu können gehört dazu
Je mehr Zeit ich draußen verbringe, desto mehr gefällt mir vielleicht genau diese Balance.
Auf der einen Seite steht Verantwortung. Auf der anderen Seite Akzeptanz.
Ich möchte vorbereitet sein, meinen Körper ernst nehmen, Bedingungen einschätzen und vernünftige Entscheidungen treffen. Gleichzeitig weiß ich, dass ich niemals alles kontrollieren werde.
Eine hundertprozentige Garantie gibt es in der Natur nicht.
Und irgendwann muss man mit dem arbeiten, was tatsächlich vor einem liegt, statt mit dem, was morgens noch im Kopf war.
Vielleicht ist genau deshalb auch das Umkehren für mich nie ein großes Thema gewesen.
Wenn ich einen Gipfel nicht erreiche, erreiche ich ihn eben nicht.
Ich habe mich darüber tatsächlich noch nie geärgert, weder unterwegs noch danach. Ich gehe nicht mit einem Gipfel so fest im Kopf los, dass sein Fehlen plötzlich alles andere entwerten könnte.
Wenn sich Bedingungen verändern, der Körper etwas anderes sagt oder eine Situation nicht mehr vernünftig erscheint, kann Umkehren genau die richtige Entscheidung sein. Vielleicht sogar die sicherste und stärkste Entscheidung der gesamten Tour.
Die bis dahin zurückgelegten Kilometer verschwinden dadurch nicht. Die Landschaft verschwindet nicht. Die Erfahrungen verschwinden nicht und auch das, was ich unterwegs über mich selbst gelernt habe, wird nicht plötzlich weniger wert.
Für mich gehört diese Akzeptanz zur Natur genauso dazu wie das Weitergehen.
Vielleicht entsteht Leichtigkeit überhaupt erst dann, wenn nicht jedes Ziel zu etwas wird, das unbedingt erfüllt werden muss.
Höher, schneller und weiter kann genauso richtig sein
Meine Art, Berge zu erleben, ist trotzdem nur meine.
Ich sehe Menschen, die Gipfel sammeln, ihre Tempo messen, enorme Höhenmeter zurücklegen oder sehr gezielt für bestimmte Leistungen trainieren. Mich persönlich motiviert das weniger, aber ich sehe darin durchaus etwas, das mich auf eine andere Art inspirieren kann.
Die Disziplin dahinter kann beeindruckend sein. Die körperliche Leistung ebenfalls.
Wenn jemand genau darin Freude findet, ist das doch etwas Schönes.
Ich glaube nicht, dass Berge nur auf eine bestimmte Art erlebt werden sollten. Dafür sind die Berge zu unterschiedlich und wir Menschen erst recht.
Für jemanden kann der Gipfel das Wichtigste an einer Tour sein. Für jemand anderen eine persönliche Bestzeit. Jemand möchte mit Freunden unterwegs sein und ein anderer sucht bewusst Stunden alleine.
Ich muss nicht entscheiden, welche Motivation wertvoller ist.
Genauso wenig möchte ich beurteilen, warum jemand umdreht oder weitergeht. Wenn eine Person mich nicht nach meiner Meinung oder Unterstützung fragt, ist ihre Entscheidung zunächst einmal ihre.
Auch das gehört für mich zum Respekt gegenüber anderen Menschen.
Vielleicht müssen die Berge gar nichts für uns tun
Oft hört man, dass Menschen in die Berge gehen, um dem Alltag zu entkommen, den Kopf freizubekommen oder etwas zu finden, das ihnen im normalen Leben fehlt.
Bei mir fühlt sich das nicht ganz richtig an.
Der Alltag ist der Alltag und die Berge sind die Berge.
Ich möchte nicht erwarten, dass ein bestimmter Ort etwas für mich leisten muss, was ein anderer Ort nicht kann. Vielleicht würde ich damit wieder genau dasselbe tun wie bei einem Sonnenaufgang: bereits vorher bestimmen, was ich dort bekommen möchte.
Ich gehe lieber hin und schaue, was entsteht.
Vielleicht bekomme ich einen wunderschönen Gipfelmoment. Vielleicht einen körperlich starken Tag. Vielleicht sitze ich irgendwo unterwegs und möchte gar nicht weiter. Vielleicht verändert sich das Wetter. Vielleicht taucht ein Gedanke auf, mit dem ich morgens überhaupt nicht gerechnet hatte.
Und vielleicht passiert auch gar nichts Großes.
Auch das darf sein.
Gerade darin liegt für mich viel Freiheit.

Was bleibt, wenn der Gipfel nicht das Wichtigste ist?
Vielleicht ist das eine Frage, die jeder nur für sich selbst beantworten kann.
Wer das nächste Mal wandern geht, könnte trotzdem einmal beobachten, was tatsächlich von der Tour hängen bleibt. Nicht was laut Planung der wichtigste Moment hätte sein sollen, sondern woran man einige Tage später noch denkt.
War es wirklich der Gipfel?
Vielleicht ja.
Vielleicht war es aber auch das Licht irgendwo im Wald, ein Gespräch, die eigene körperliche Stärke, eine Entscheidung, eine unerwartete Ruhe, ein Gedanke oder irgendein unscheinbarer Moment, den man vorher niemals hätte planen können.
Genau deshalb möchte ich meine Wanderungen nicht zu Ende denken, bevor ich überhaupt losgegangen bin.
Ich kann ein Ziel haben, mich vorbereiten und mich auf einen Gipfel freuen. Aber ich möchte der Natur und auch mir selbst genügend Raum lassen, damit unterwegs etwas entstehen darf, mit dem ich nicht gerechnet habe.
Denn vielleicht liegt eine der schönsten Seiten des Wanderns genau darin, dass wir nicht alles kontrollieren können und auch nicht alles kontrollieren müssen.
Wir können aufmerksam sein, Entscheidungen treffen, weitergehen, umdrehen, beobachten und lernen. Wir können draußen Neues entdecken und manchmal gleichzeitig etwas erkennen, das längst in uns vorhanden war.
Und wenn am Ende ein Gipfel dazugehört, freue ich mich darüber.
Wenn nicht, fehlt mir deshalb nichts.
Was ist von deiner letzten Wanderung geblieben?
Manche Gedanken sind nur für einen kurzen Moment besonders klar. Wenn du sie festhalten möchtest, findest du in meinem Wanderjournal 52 unterschiedliche Impulse für deine Touren.
Die Gründe sind sehr unterschiedlich. Bewegung, Natur, Ruhe, sportliche Herausforderung, gemeinsame Erlebnisse oder einfach die Freude an Landschaft können eine Rolle spielen. Für mich ist es vor allem die Kombination daraus und die Möglichkeit, unterwegs immer wieder neue Perspektiven zu entdecken, draußen und in mir selbst.

